Friedewalde 1948 bis 1968 und Auswirkungen bis in die Gegenwart

Werner geb. am So, den 26.09.1948 in Friedewalde OT Wegholm. Eine ländlich geprägte Gemeinde im nördlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens an der Grenze zu Niedersachsen. 

Der Vater ist Ende 1947 aus langjähriger, russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Die Mutter war über die Kriegsjahre Alleinverantwortlich für die Familie. Die Familie war zu der Zeit mein Bruder, der bei meiner Geburt schon 20 Jahre war. In diesem ländlichen Raumgehörten zur weiteren Familie auch Brüder und Schwestern meiner Eltern, soweit sie nicht selber im Krieg waren. diese Verbindungen haben lebenslang gehalten. Ich selber bin mehr oder weniger mit den beiden Kindern meines Bruders aufgewachsen. 

Die Zeiten der Schule und des Gymnasiums sind ohne grosse Reflexion vergangen. Es gab keine Auseinandersetzung mit schulischen Inhalten oder auch beruflichen Zielen. Auch sexuelle Aufklärung fand nicht statt. 

Der Krieg als solcher war nicht direkt spürbar. Wir haben keine materielle Not gelitten. Aber im täglichen Leben war die Auswirkung immer wieder präsent, ohne das es direkt bewusst war. Meine Eltern waren einerseits sehr besorgt um den kleinen Jungen, aber wohl aus den Erfahrungen des Krieges auch sehr zurückgezogen. Meine Großeltern beiderseits habe ich nicht kennengelernt. Eigentlich waren ja die Eltern schon im Alter der Großeltern. Die ganze Verwandtschaft und auch Nachbarschaft war einen  Generation älter als bei meinen gleichaltrigen Freunden, Mitschülern, etc. 

Erst Jahre später wurden mir diese Auswirkungen des eingeschränkten sozialen Umfeldes nach und nach bewusst. Auch heute noch oder besser, je älter ich werde, um so intensiver ist meine Auseinandersetzung mit den Folgen die Krieg, Zerstörung und Vertreibung nicht nur für die direkt betroffenen mitbringen. Bis heute kann ich nicht verstehen, was Menschen sich antun und wie schnell die Greuel und Verbrechen vergessen werden. Wie wenig bewußt ist, was täglich auf der ganzen Welt geschieht. Es ist bedrückend diese Seite des Menschen immer wieder gewinnen zu sehen und trotzdem gewinnt der eigene Lebenswille.